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200 Jahre Linie-Aquavit

Norwegens besonderer Beitrag zur weltweiten Trinkkultur feierte am 24. Oktober 2005 – dem Tag, als das Handelsschiff „Throndhiems Prøve“ aus Trondheim im Jahr 1805 den Äquator überquerte – seinen 200. Geburtstag. Der zweite 200. Geburtstag wurde am 11. August 2007 gefeiert – 200 Jahre nachdem der erste Linie-Aquavit nach Norwegen zurückkehrte.

Idar Aarheim, The Magazine for the Corps Diplomatique

Unter der gemischten Fracht von gesalzenem Hering und getrocknetem Dorsch waren auch sieben Fässer Branntwein. Das Segelschiff unternahm eine lange und gefährliche Reise nach Batavia, in die Hauptstadt Indonesiens, die damals eine holländische Kolonie war. Am 21. Dezember 1805 kam das norwegische Schiff im Hafen von Batavia an.

Die Reise war deshalb so gefährlich, weil gerade die napoleonischen Kriege tobten und die Briten Fracht konfiszierten und Häfen an der gesamten dänisch-norwegischen Küste blockierten. Lord Nelson hatte die dänisch-norwegische Flotte bereits 1801 mit einem Angriff auf den Hauptflottenstützpunkt in Kopenhagen unter Beschuss genommen. Bei einer noch heftigeren dreitägigen Attacke auf Dänemarks Hauptstadt im Jahr 1807 zerstörte die Royal Navy einen noch größeren Teil der dänisch-norwegischen Flotte und beschlagnahmte mehrere Handelsschiffe samt Mannschaft.

Die „Throndhiems Prøve“ hatte ihre Fischprodukte bald zu guten Preisen verkauft – der norwegische Kartoffelschnaps war jedoch eine ganz andere Geschichte. Die Holländer produzierten selbst ausgezeichneten Arrak und Genever (holländischen Gin) sowie in Fässern gelagerten Weinbrand. Und so kehrte das norwegische Handelsschiff 1807 mit mehreren unverkauften Fässern Kartoffelschnaps, der 18 Monate lang der Wellenbewegung auf See und den tropischen Temperaturen ausgesetzt war, nach Hause zurück. Die lange Hin- und Rückreise führte zu einer spürbaren Verbesserung der Qualität des Schnapses. So wurde Linie-Aquavit geboren – ein Schnaps, der zweimal die „Linie des Äquators“ passiert hat.

Linie-Aquavit überquert auch heute noch den Äquator. Schon seit den 1920er Jahren haben die Schiffseigentümer des weltbekannten norwegischen Familienunternehmens Wilh. Wilhelmsen die Ehre, Aquavitfässer nach Australien und zurück zu transportieren. Auf jeder Flasche Linie-Aquavit steht auf der Rückseite des Etiketts – durch die Flasche hindurch sichtbar – der Name des jeweiligen Schiffes und der Zeitpunkt, zu dem es den Äquator überquert hat.

2006 produzierte die norwegische Brennerei Arcus mehr als 1,5 Millionen Liter Aquavit – über die Hälfte davon für den Export. Der Lysholm Linie-Aquavit hat dabei den bei weitem größten Marktanteil.

Die Familie Lysholm
Aus Geschichte und Literatur kennen wir zahlreiche Beispiele starker und entschlossener Frauen, die als treibende Kraft hinter vielen Pionierunternehmen standen – und für die schließlich die Männer den Ruhm ernteten. Die gewagte Reise der „Throndhiems Prøve“ nach Indonesien im Jahr 1805 war keine Ausnahme. Schiffseigentümerin war die einflussreiche Catharina M Lysholm. Diese Dame entdeckte die Qualitätsverbesserung, die sich während der langen Reise des Schnapses ereignete. Sie erkannte auch das unternehmerische Potenzial, dieser Entdeckung – und sie schaffte es, ihre Erkenntnis als Familiengeheimnis zu bewahren.

Es war jedoch ein Familienmitglied der nächsten Generation, Jørgen B. Lysholm (1796–1843), der das Konzept des Linie-Aquavits umsetzte. Er hatte großes Interesse an allen wissenschaftlichen und technologischen Fragen. Während seines Studiums in Berlin lernte er den Erfinder und Wissenschaftler Pistorius kennen, der den zur der Zeit fortschrittlichsten Destillationsapparat der Welt konstruiert hatte. Damit konnte man einen reineren Schnaps mit einem höheren Alkoholgehalt erstellen als mit den primitiven Destillierapparaten, die man bis dahin verwendet hatte. Diese Technik machte sich Jørgen B. Lysholm zunutze und verwendete die modernste Ausrüstung der Branche in der 1821 von ihm gegründeten Brennerei. Trondheim wurde zu einem Zentrum der Aquavitproduktion. Noch heute trägt der am häufigsten exportierte Linie-Aquavit den Namen Jørgen B. Lysholms.

Aromaschnäpse
Aquavit ist die Schnapsvariante, die sich in Norwegen, Dänemark und Schweden am deutlichsten unterscheidet. Obwohl sie alle mit Gewürzen und Kräutern zusätzlich gewürzt werden, gibt es eine ganze Reihe bedeutender Unterschiede zwischen den verschiedenen Sorten skandinavischer Aquavite und Schnäpse. Aromatische Schnäpse wurden in den nordischen Ländern schon hergestellt, lange bevor die „Throndhiem Prøve“ 1805 nach Indonesien segelte. Einer der Pioniere in Norwegen war der Pfarrerssohn Christoffer Hammer (1720–1804), der maßgeblich dazu beitrug, norwegische Kräuter und Gewürzpflanzen als Würzzusätze einzuführen.

Man darf nicht vergessen, dass es früher notwendig war, den unreinen Geschmack unbehandelten Alkohols mit starken Gewürzen und Kräuterzusätzen zu überlagern. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Destillierapparate so weit entwickelt, dass sie reineren Schnaps herstellen konnten, der nicht nach Alkohol roch. Heute wird Aquavit auf der Basis von reinem Schnaps aus Korn oder – in Norwegen ausschließlich – aus Kartoffeln hergestellt. Anschließend werden verschiedenste Geschmackskomponenten hinzugefügt. Kümmel und Dill (Anethum graveolens) sind die wichtigsten Zutaten – auch wenn diese EU-Richtlinie von unseren dänischen Nachbarn vorangetrieben wurde. Zusätzlich zu diesen beiden Kräutern enthält norwegischer Aquavit Extrakte von Pflanzen wie Engelwurz und Sternanis (Fructus anisi stellati), Paradieskörnern (Grana paradisi), Fenchel (Fructus foeniculi), Koriander (Fructus coriandri) und Wermut (Artemisia absinthium). Die Produktion aromatisierter Spirituosen beinhaltet in Skandinavien noch viele andere Kräuter und Gewürze. Sowohl Dänemark als auch Schweden besitzen eine große Zahl nationaler Spezialitäten.

Edler Branntwein
Die meisten norwegischen Aquavite werden nicht unbedingt deshalb als „edler Branntwein“ (im Gegensatz zu dänischen und schwedischen aromatisierten Branntweinen) bezeichnet, weil sie besser zum Essen passen als andere skandinavische Schnäpse. Norwegischer Aquavit heißt deshalb „edel“, weil er – wie Cognac, Armagnac, Calvados, veredelter Rum und vereinzelte Malze – über eine kürzere oder längere Zeit in Eichenfässern reifen darf und so veredelt wird. Das begrenzt natürlich die Produktionsmenge, bedeutet aber auch, dass edle Branntweine ein stärkeres Element der Kunstfertigkeit sowohl in der Produktion wie auch in der Lagerung beinhalten. Die meisten Fässer, in denen norwegischer Aquavit lagert, wurden vorher für die Sherry-Produktion in Südspanien verwendet. Sie fassen normalerweise etwa 500 Liter.

Der Meistermischer von Arcus, Halvor Heuch, ist weltweit der erste Ansprechpartner, wenn es um die Produktion, Lagerung und Reifung edlen Aquavits geht. Besonders in den letzten Jahren hat er viele verschiedene Varianten speziell zu bestimmten traditionell norwegischen Gerichten kreiert – insgesamt 25 verschiedene Sorten. Daneben hat er sich seit 1988 jedes Jahr ein neues Rezept für den Weihnachtsaquavit (juleakevitten) einfallen lassen. Norweger trinken in der Weihnachtszeit und zur eher schweren Kost des Winters traditionell mehr Aquavit als sonst. Mit seinem hohen Kräuteranteil regt Aquavit sehr effizient die Verdauung an, spaltet Fette auf und wandelt sie in besser bekömmliche Formen um. Es gibt wohl hunderte norwegischer Varianten des Aquavits und so muss sich Halvor Heuch – ganz zu schweigen von seiner eigenen Kreativität – nie darum sorgen, dass ihm einmal die Rezepte ausgehen.

Linie-Aquavit lagert etwa sechzehn Monaten in gebrauchten Eichenfässern. Die Zeitspanne für länger gereifte Varianten wie Gammel Opland und Gammel Reserve beträgt etwa 26 Monate, während der Juleakevitten nur zwölf Monate ruht. Halvor Heuch ist ein großer Anhänger von Aquaviten mit einem individuellen und ausgeprägten Geschmack. Um das zu erreichen, verwendet er neuere Fässer, die verschiedenartige und vollmundige Aromen erzeugen.

Nur der Weihnachtsaquavit ändert jedes Jahr sein Rezept; die Standardmarken wie Linie-Aquavit bleiben praktisch unverändert.


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